Das Arbeitszeugnis

arbeitszeugnis formulierungen
Das einfache Arbeitszeugnis enthält lediglich die persönlichen Daten des Arbeitnehmers sowie Art und Dauer der Beschäftigungsverhältnisses. Beim qualifizierten Arbeitszeugnis werden zusätzlich Leistung und Führung des Arbeitnehmers bewertet. Der Arbeitnehmer kann selbst entscheiden, welche Art Arbeitszeugnis er vom Arbeitgeber erhalten möchte. Beim qualifizierten Arbeitszeugnis wird es diffizil. Die Formulierungen sind entscheidend.

Die Grundlage für das Ausstellen eines Arbeitszeugnisses sind die Paragraphen 630 und folgende des Bürgerlichen
Gesetzbuches (§§630 ff.) und der Paragraph 109  der Gewerbeordnung (§109 GewO).

Demnach haben Arbeitnehmer, sowie „arbeitnehmerähnliche“ Personen wie Heimarbeiter, freie Mitarbeiter und Leiharbeitnehmer einen grundsätzlichen Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis.

Qualifiziertes Arbeitszeugnis und Einfaches Arbeitszeugnis

Man unterscheidet zwischen einem einfachen Arbeitszeugnis, mit persönlichen Daten des Arbeitnehmers, sowie vollständiger die Art und Dauer der Beschäftigung – und dem qualifizierten Zeugnis.

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis beinhaltet neben den Angaben des einfachen Zeugnisses auch die Leistungen und die Führung des Arbeitnehmers.

Anders als beim einfachen Arbeitszeugnis werden mit dem qualifizierten Arbeitszeugnis Leistung und Führung des Arbeitnehmers bewertet. Der Arbeitnehmer kann selbst wählen welche Art Arbeitszeugnis er erhalten möchte: Das einfache oder das qualifizierte Zeugnis.

Der Inhalt des Zeugnisses

arbeitszeugnis Verhaltensbeurteilung
Im Abschnitt Verhaltensbeurteilung im Arbeitszeugnis beurteilt der Arbeitgeber das Verhalten des Mitarbeiters gegenüber Kunden, Lieferanten, Kollegen und Vorgesetzten.

was soll das Arbeitszeugnis enthalten? Das Arbeitszeugnis soll Aufschluss über die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie Angaben zur beruflichen Entwicklung des Arbeitnehmers geben. Das Zeugnis ist ein Beleg, in welchem Aufgabengebiet der Arbeitnehmer eingesetzt wurde und mit welchen konkreten Tätigkeiten er in diesem Arbeitsgebiet betraut war. Es soll Aufschluss darüber geben wie der Arbeitnehmer sein erlerntes Wissen praktisch umgesetzt, und ob er sich in dieser Position bewährt hat.

Der Arbeitgeber darf mit der Ausstellung des Arbeitszeugnisses weder das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers unnötig erschweren, noch darf er unwahrheitsgemäße Angaben machen. Auf der einen Seite haben Arbeitnehmer also ein Recht auf ein durchschnittliches Zeugnis, auf der anderen Seite ist der Arbeitgeber verpflichtet, einen schlechten Arbeitnehmer nicht besser zu beurteilen, als er es tatsächlich war.

Denn unwahre Zeugnisse können zu Schadensersatzansprüchen des neuen Arbeitgebers gegenüber dem Zeugnisersteller auslösen.

Bedeutung von Formulierungen im Arbeitzeugnis

arbeitszeugnis
Das Arbeitszeugnis – Für die Beurteilung der Leistungen haben sich typische Formulierungen im Arbeitszeugnissen etabliert. Der Arbeitnehmer kann sie analysieren und mit einer Notenskala vergleichen.

Der Arbeitnehmer kann vom Arbeitgeber verlangen dass er ein in allen Aussagen eindeutiges und klar formuliertes Arbeitszeugnis ausstellt. Es darf keinesfalls der Eindruck entstehen, der Arbeitgeber würde sich im buchstäblichen Wortlaut seiner Erklärung im Arbeitszeugnis distanzieren. Das Arbeitszeugnis darf nicht mithilfe von Widersprüchen eine Herabsetzung der Verhaltensbeurteilung beinhalten. Dies gilt insbesondere für die Verwendung von doppeldeutigen oder verschlüsselten Zeugnisformulierungen die wohlwollender formuliert sind als sie offensichtlich gemeint sind. Prinzipiell ist der Arbeitgeber natürlich bei der Ausstellung des Arbeitszeugnisses frei, er muss sich allerdings der in der Praxis allgemein angewandten und bekannten Zeugnissprache ausdrücken und bei der Beurteilung des Arbeitnehmers allgemein übliche Maßstäbe anlegen. Für diese Beurteilung der Leistungen haben sich typische Formulierungen in Arbeitszeugnissen etabliert, die durchaus mit einer Notenskala vergleichbar sind.

So entspricht beispielsweise die Zeugnis Formulierung „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ oder „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ der Note sehr gut. Eine Abstufung erfolgt beispielsweise mit „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ was der Note gut entspricht. Möchte der Arbeitgeber eine schlechtere Note vergeben, formuliert er beispielsweise für eine Note befriedigend “zu unserer vollen Zufriedenheit“ für die Note ausreichend “unserer Zufriedenheit“ und für die Note mangelhaft “insgesamt zu unserer Zufriedenheit“ oder „war bemüht, zu unserer Zufriedenheit“.

Wie sollte ein Arbeitszeugnis gegliedert sein?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet eine gebräuchliche Gliederung mit typischen Elementen zu verwenden denn diese sind inzwischen weitgehend Standard ein qualifiziertes Zeugnis enthält üblicherweise die folgenden Elemente:

  1.  Überschrift: Zeugnis, Arbeitszeugnis, Zwischenzeugnis, Ausbildungszeugnis, Praktikantenzeugnis
  2.  Eingangsformel: Beschreibung der Tätigkeit, Position im Unternehmen, Kompetenzen, Verantwortung
  3.  Leistungsbeurteilung: Motivation des Mitarbeiters (Arbeitsbereitschaft), Arbeitsweise, Arbeitserfolg, bei Führungskräften Führungsleistung
  4.  Verhaltensbeurteilung: Verhalten gegenüber Kunden, Kollegen, Vorgesetzten
  5.  Schlussabsatz: Dankesworte, Bedauern Formel, Zukunftswünsche, Datum Ausstellungsort und Unterschrift

in einem neueren Urteil hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit seinem Urteil vom 11.12.2012 entschieden, (9 AZR 227/11) das Arbeitnehmer kein generelles Anrecht auf einer solchen „Gruß- und Bedauernsformel“ im Arbeitszeugnis haben.

Welche äußere Form muss das Arbeitszeugnis haben?

wuetend arbeitgeber
Emotionen sollte man beim Thema Arbeitszeugnis beiseite schieben. Gehen Sie nüchtern an das Thema heran und informieren Sie sich welche Rechte und Pflichten Sie haben.

Nach Paragraf 109 Abs. 1 (§109 I. GewO ) muss das Zeugnis schriftlich erteilt werden – die rein elektronische Form ist gemäß Paragraf 109 Abs. 3  (§109 III. GewO ) ausdrücklich nicht zulässig.

Das Zeugnis soll auf Geschäftspapier geschrieben sein, zumindest wenn der Arbeitgeber geschäftliches Briefpapier besitzt und dieses im Geschäftsverkehr auch verwendet.

Das Zeugnis soll in einheitlicher Maschinenschrift und ohne handschriftliche Zusätze geschrieben sein. Streichungen sind nicht zulässig. Ort und Datum der Ausstellung sind anzugeben.

Mindestens ein Vorgesetzter des Arbeitnehmers muss das Arbeitszeugnis eigenhändig unterschreiben. Es darf nicht gefaltet werden und keine Knicke oder Risse – und schon gar keine Flecken aufweisen. Wenn das Arbeitszeugnis dem nicht entspricht, so hat der Arbeitnehmer das Recht die Ausstellung eines neuen Arbeitszeugnisses zu verlangen.

Der Arbeitnehmer hat zudem ein Anrecht darauf, dass sein Zeugnis zeitnah erstellt wird, ein Zeitrahmen von einem Monat -nach geäußerten Wunsch- zur Erstellung eines Zeugnisses bzw. nach dem Ausscheiden des Arbeitnehmers sollte eingehalten werden.

Verjährung des Anspruchs auf ein Arbeitszeugnis

Der Arbeitnehmer hat keinen dauerhaften Anspruch auf die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses. Es ist durchaus üblich, dass dieser Anspruch eine Begrenzung durch Ausschlussfristen im Arbeitsvertrag oder durch tarifvertragliche Bestimmungen erfährt. Allgemein gilt die gesetzliche Verjährungsfrist von drei Jahren gemäß bürgerlichen Gesetzbuch Paragraf 195 (BGB).

Bei dieser Zeitrechnung ist zu beachten dass die Verjährungsfrist erst mit Abschluss des Jahres zu laufen beginnt – sodass der Anspruch auf Ausstellung eines Arbeitszeugnisses erst mit Ablauf des dritten vollen Kalenderjahrs nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses erfolgt.